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WITH SMALL WORDS

Ausgehend von David Thomas' Lecture „The Geography of Sound“,
versammelt dieses Ausstellungsprojekt Künstlerinnen und Künstler aus 8 verschiedenen
Ländern. Darunter Éva Bodnár, Nuria Fuster, Ha Za Vu Zu, Nicolas Jasmin, Santiago Morilla, O, Bernhard Rappold, Franz Schubert, Felipe Talo, Carlos Vasconcelos, Brent Wadden, Felix Leon Westner, Das Wiener Jazzpanoptikum (Pils, Pulsinger, Zykan).
Alle genannten verbindet die Beschäftigung mit Sound und Kunst, jedoch die
Ausgangspunkte der Annäherung sind verschieden. Auf der einen Seite die bildende Kunst, auf der anderen Seite die populäre Musik.
Nicht zufällig lieferte der kunstaffine David Thomas, seines Zeichens Sänger der von ihm als Avant-Garage kategorisierten Band „Pere Ubu“, die Idee zum Konzept.
In seiner, bereits erwähnten, wunderbar launischen Lecture spannt er den Bogen gekonnt von Thomas Alva Edisons erster phonographischen Aufnahme bis hin zu Elvis. Besonders hervorgehoben wird dabei die Stilsicherheit derer sich Edison bediente, als er die Worte für die erste Tonaufnahme der Geschichte wählte.
Er sprach „Mary had a little Lamb“ in den Schalltrichter.
Ein bereits 1876, zur Zeit der Aufnahme bekannter Kinderreim.
Edison hätte ohne weiteres etwas Profundes, einen Aphorismus rezitieren können.
Er entschied sich jedoch für das Banale, das Alltägliche.
Als Edisons ungleicher Zwilling wird weiters Neil Armstrong identifiziert.
Auch er hatte seinen großen Moment in der Geschichte der Tonaufzeichnung.
Laut David Thomas hat er ihn gehörig versemmelt.
Sein „That's one small step for (a) man, one giant leap for mankind!“ bei der
Mondlandung 1969 wirkte staatstragend aber auch holprig, auswendiggelernt und in seiner Metaphorik pathetisch.
„Big Events are best heralded with Small Words“ schlussfolgert Thomas.
In der künstlerischen Praxis bieten sich, beispielsweise am Beginn einer Arbeit (um nicht die verzopfte Angst vor der weißen Leinwand anzuführen) – sowie sogar noch bei deren Betitelung – immer wieder Momente des Pathos und der großen Geste, der „Armstrong Falle“.
Die Lösung liegt jedoch nicht in der Etablierung eines Stils des gekonnten Scheiterns. Impliziert doch die Erkenntnis, man könne zweifelsohne auch „Big Events“ hervorrufen, dass man die Dinge sehr wohl hoch schätzen sollte, an deren Bearbeitung man tätig ist.
Das Reservoir, woraus sich die künstlerische Größe und Leichtigkeit schöpft, ist
oftmals das Feld der „Small Words“, der kleinen Dinge. Das Scheitern kann sich dann trotzdem noch einstellen.
In diesem Sinne ist die Auswahl der Künstlerpersönlichkeiten von Edisons selbstironischen Spruch „I have not failed – I 've just found 10.000 ways that won't work“ beeinflusst.Bei allen spielt das Experimentieren, das Verwerfen, also das „Tüfteln“ eine große Rolle.
Éva Bodnár, Erfinderin und Verfechterin des Happy Anfang
pflegt in Ihrem malerischen Werk einen offenporigen Umgang mit Film und Musik und Sprache. Brent Wadden wählt den Webstuhl als Instrument der analytischen Langsamkeit. Carlos Vasconcelos' Objekte und Videos
scheinen einer Alchemie Werkstatt entsprungen, durchtränkt von der Suche nach
Veredelung und durchbrochen von der Grobheit des Noise. Ha Za Vu Zu
verschreiben sich der leidenschaftlich-performatorischen Ironie. Bei Bernhard Rappold werden Lapsteel-Gitarren zum Bildobjekt . Nicolas Jasmin interpretiert Rock'n Roll Klassiker malerisch auf Jute. Das Wiener Jazzpanoptikum widmet sich in der Regel donnerstags dem Platten-auflegen und in der Ausstellung dem Heimorgelbemalen. Franz Schuberts zeigt eine stumme Videointerpretation zu Gerhard Richters Sonic Youth Plattencover. In seinem Video In Rem Verso
gibt Santiago Morilla den künstlerischen Franz von Asisi und unterhält einen zeichnerischen Dialog mit Bäumen, Ratten und Vögeln. Am Hafen einer chinesischen Metropole sieht man Felipe Talos Videoversuch, ein magisches
Dreieck zwischen Trompetenspieler, signalgebendem Frachtdampfer und eigenen Kreidezeichnungen zu erzeugen. Teresa Rotschopf alias O zeigt ihr neues Musikvideo 2410. Felix Leon Westner performt zwischen Vocals und Wandzeichnung, zwischen Diagram und Loop. Dabei schürft er am brüchig-fragilen des Pop. Die ausgebildete Tänzerin Nuria Fuster arbeitet in Ihren Installationen und Skulpturen mit Überbleibsel unserer Gesellschaft. Sie destilliert aus dem Gebrauchten der Dinge die menschliche Körperlichkeit.

(Bernhard Rappold)

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Seitenstraßen des „Pop-Art“ Highway (tageszeitung.it)

Der Wiener Künstler Bernhard Rappold absorbiert in seiner Malerei Hand- und Stoffarbeit, Fotografie, Video, Musik und sogar Gitarrenbau. Ab Samstag stellt er im Kunstforum Unterland aus. Ein Gespräch über hyperinklusive Malerei, Popkultur und die Pornosammlung von Erwin Puls. (Interview: Heinrich Schwazer )

Tageszeitung: Herr Rappold, was ist hyperinklusive Malerei?

Bernhard Rappold: Ich hab das auch noch nicht so oft gehört, aber ich denke, es bedeutet seine Einflüsse aus verschiedensten Disziplinen und auch Epochen zu beziehen. Der in Meran geborene Künstler Oswald Oberhuber könnte da ein Archetyp sein.

Etwas einzuschließen, bedeutet immer auch etwas auszuschließen. Ist Hyperinklusion überhaupt möglich?

Diese Beschreibung meiner Arbeit stammt von einer befreundeten Künstlerin (Kathi Hofer). Das Spannende an der Bildenden Kunst ist ja auch der Umstand, dass Begriffe und Benennungen oft nur eine Art Krücke, einen Behelf, darstellen, der nicht perfekt passen kann. Sonst würde man ja nur Texte schreiben. Man könnte versuchen, synthetische Begriffe zu erfinden, die dann aber wieder keine exakten Analogien zum Visuellen erzeugen würden. Ich denke, in der Bildenden Kunst gibt es viele Tendenzen etwas „zuzuspitzen“, zu reduzieren. Etwas kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen ist eine Strategie, die vielleicht nicht meinem Naturell entspricht. Mich interessiert eine gewisse Offenheit, verschiedene Arbeitsweisen parallel zu verfolgen. Dem „Ausschließen“ stehe ich folgerichtig auch offen gegenüber.

Popkultur funktioniert hyperinkludierend in der Einebnung aller künstlerischen Valeurs. Übertragen Sie das auf die Malerei?

Ich habe da keinen bewussten Übertragungsprozess. Popkultur ist ein riesiges Feld, das sich wunderbar dazu eignet aneinander vorbeizureden. Höre ich „Popkultur“, dann denke ich als erstes an Musik, dann an Warhol. So geht’s vielleicht vielen. Vielmehr aber interessiert mich Paul Thek. Er hat den „Pop-Art“ Highway zugunsten verschlungener Seitenstraßen („Individuelle Mythologien“ nach Harald Szeemann) verlassen.

Was ist an Malerei, die alles, sogar Gitarrenbau einschließen kann, noch Malerei?

Ich baue vor allem elektrische Lapsteel Gitarren. Diese sind vom handwerklichen Aspekt her so einfach, dass man sich vor allem auf die Form und die Ästhetik konzentrieren kann. Das war schon immer so. In den 1950er Jahren bauten beispielsweise die Firmen Framus oder Herrensdorf, die verrücktesten und schönsten Gitarren solcher Art. Sie wurden auch oft von Hobbymusikern selbst gebaut. Vielleicht hat in den 1950ern ein Automechaniker seine eigene Lapsteel Gitarre gebaut um sie in seiner Countryband zu spielen. Ich als Maler baue sie heute, um sie in meinen Ausstellungen als Objekte zu verwenden. Die Frage, ob meine Gitarren Malerei sind, habe ich mir noch nicht gestellt, aber sie sind – wie viele herkömmliche Gitarren ja auch – bemalt

Warum genügt Ihnen der Pinsel nicht, um Bilder zu malen?

Ich male fast immer mit einem Pinsel. Ich habe aber schon mal diverse Pinsel manipuliert. Wie ein Friseur habe ich dem Pinsel die Haare geschnitten. Das bringt dann andere Linien. Wenn man viel malt, kommt man auf solche Ideen.

Das Ergebnis sind Stoffobjekte, die durch einen „Klangkolorismus“ elektrisieren. Ist damit Paul Klees Synästhesie gemeint?

Bei Synästhesie fällt mir zuerst der wunderbare David Thomas (Sänger von Pere Ubu) ein, der recht glaubhaft vermittelt, dass er auch an dieser Krankheit der künstlerisch Hochbegabten leidet. Ich würde mir selbst so eine tolle Schwäche nicht diagnostizieren, aber ich wehre mich nicht dagegen, sollten es andere versuchen.

Zu Ihrer Ahnengalerie zählen Randfiguren der Kunstgeschichte wie Michael Buhte, Paul Thek und den Pornosammler Erwin Puls. Warum gerade die?

Warum mich das besonders berührt, ist schwer zu sagen. Bei Puls und den Pornos ist es vielleicht am einfachsten zu erklären. Aus der uns alle einenden Banalität das Besondere zu filtern, etwas Berührendes zu schaffen, das beeindruckt mich.

Der Titel Ihrer Ausstellung im Kunstforum Unterland „Zé Carlos“ bezieht sich auf die magische Tradition der brasilianischen Künstlernamen. Wie darf man das verstehen?

Das ist biographischer Natur. Mein Künstlerfreund Carlos Vasconcelos und ich haben 7 Jahre ein Atelier geteilt. Er hat mir Großartiges aus der brasilianischen Hoch und Populärkultur eröffnet und durch ihn kam es auch zum Kontakt mit dem Kunstforum Unterland. Er verwendet niemals seinen ersten Vornamen José. Würde er in Recife als regional bekannter Künstler leben, dann würden ihn die Leute vermutlich „Zé Carlos“ rufen.

Ihr Motto lautet: Wer eine Tätigkeit gut und kunstfertig ausübt, der wird mit der Zeit zum Künstler – zum Mestre – egal ob Tamburinspieler, Handwerker oder Fußballer. Klingt einfach. Ist es auch so?

Das ist nicht mein Motto, aber in Brasilien scheint es so zu sein und ich finde, das klingt doch toll. Aber vielleicht erliege ich da dem Exotismus, so wie Buthe.

Interview: Heinrich Schwazer

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